Repräsentation durch Kunst - Der Hofmaler Philipp Heinrich Kisling

Fürstenbildnis
Bildnis: Markgraf Karl Friedrich von Baden [Copyright: Badisches Landesmuseum Karlsruhe]
Jeder kennt sie, die farbenprächtigen Bilder von Herrscherinnen und Herrschern in machtvollen Posen, ausgestattet mit allerhand Insignien der Macht. Aber wer hat diese Bilder eigentlich gemalt? Meist waren es sogenannte Hofmaler, die seit der Renaissance an zahlreichen Höfen Europas als Diener mit privilegiertem Status dem Hofstaat angehörten und das Repräsentationsbedürfnis der jeweiligen Herrscher künstlerisch umsetzen sollten. Ob Dichter, Architekten, Musiker oder bildende Künstler, Anstellungen am Hof waren begehrt, denn neben der Förderung durch Stipendien, beispielweise für Auslandsaufenthalte, wurde Hofkünstlern nach der Ernennung auch eine jährliche „Pension“ gewährt. Doch diese Absicherung brachte auch Nachteile mit sich, so war die künstlerische Freiheit der Hofkünstler stark eingeschränkt und die Auftragsarbeiten mussten in erster Linie dem Geschmack des Herrschers entsprechen. Zudem wurde den Hofkünstlern neben ihrer künstlerischen Tätigkeit auch andere Dienste, wie z.B. Mal- und Zeichenunterricht oder die Organisation und Durchführung von Festen, abverlangt. Auch am Hof des Markgrafen von Baden-Durlach in Karlsruhe waren zahlreiche Hofmaler beschäftigt, unter anderem der Maler Philipp Heinrich Kisling. Philipp Heinrich Kisling wurde am 24. November 1713 als Sohn des Forstmeisters Friedrich Jakob Kisling in Eggenstein geboren. Das hier gezeigte Bildnis des jugendliche Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach wurde von Kisling gemalt und entspricht im Typus den offiziellen Fürstenporträts dieser Zeit. Es entstand wohl um 1746, die Zeit der Volljährigkeitserklärung des Fürsten. Carl Friedrich war der Sohn des Erbprinzen Friedrich von Baden-Durlach (1708-1732), der sehr früh verstarb. Nachdem auch der Großvater Carl Wilhelm im Jahre 1738 einem Schlaganfall erlegen war, übernahm dessen Witwe, die Markgräfin Magdalena Wilhelmine, zusammen mit einem Regentschaftsrat die Vormundschaft über den jungen Prinzen und seinen Bruder. Beide erhielten eine sorgfältige Erziehung, verbrachten mehrere Studienjahre in Lausanne und unternahmen ausgedehnte Reisen. Nach der vorzeitigen Volljährigkeitserklärung durch Kaiser Franz I. übernahm Carl Friedrich 1746 die Regierungsgeschäfte. Mit einer Regierungszeit von 73 Jahren wurde er zu einem der am längsten regierenden Monarchen der Geschichte.

Zum Totensonntag: besondere Friedhöfe

Der von der Brüdergemeinde angelegte Friedhof in Königsfeld im Schwarzwald, Quelle Evangelische Gesamtkirchengemeinde
Der von der Brüdergemeinde angelegte Friedhof in Königsfeld im Schwarzwald, Quelle Evangelische Gesamtkirchengemeinde

Heute ist Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag, ein Gedenktag der evangelischen Kirche. Dazu werfen wir einen Blick auf die Bestattungskultur, die im Lauf der Zeit immer wieder Veränderungen unterworfen war. Das lange übliche Einzel- oder Familiengrab mit Bepflanzung ist zwischenzeitlich einer Vielzahl an Möglichkeiten gewichen, die den Wünschen der Verstorbenen und ihrer Angehörigen entspricht. So entstanden Grabfelder ohne gesonderte Abgrenzung der Parzellen oder Friedwälder mit Baumgräbern. In früheren Zeiten waren Bestattungen von den örtlichen Gegebenheiten, den zeitgeschichtlichen Umständen und den religiösen Anschauungen abhängig. Einer der vielen in Pestzeiten entstandenen Friedhöfe ist in Mittelbiberach erhalten.

Die Herrnhuter Brüdergemeinden pflegten eine besondere Bestattungskultur. Eine dieser Anlagen ist in Königsfeld zu finden. Zwar bezeichneten auch andere Gemeinden ihre Friedhöfe als Gottesäcker, doch kommt hier eine besondere Symbolik zum Zuge. Der Ausdruck Gottesacker verweist auf das Evangelium nach Johannes 12,24, wonach die Toten Weizenkörnern gleichen, die in die Erde fallen um späterviel Frucht zu bringen. Die Auferstehung spielt eine wichtige Rolle in der Herrnhuter Weltanschauung. Die Toten warten schlafend, im Liegen, was durch die regelmäßigen Reihen der in die Erde eingelassenen Grabsteine gleicher Art und Größe verdeutlicht wird. Tore mit Bibelinschriften bilden die beiden Hauptzugänge des Friedhofs, der nicht verschlossen ist, auch dies Ausdruck für den offenen Übergang, die Einheit von Diesseits und Jenseits. Im Tod sind alle gleich, deshalb fehlen Titel oder sonstige Hinweise auf den Steinen. Nur kurze Bibeltexte sind erlaubt. Eine besondere Liturgie, die am Ostermontag in dem kleinen hölzernen Pavillon auf dem Friedhof zelebriert wird, unterstreicht zusätzlich die Bedeutung der Auferstehung.

Bemerkenswerterweise folgt der jüdische Friedhof in Rottweil, der im 19. Jh. angelegt wurde, dem Herrnhuter Vorbild. Ein weiterer besonderer Friedhof entstand im 19. Jh. in Filderstadt-Bernhausen für die Mitglieder der Altpietistischen bzw. Hahn‘ schen Gemeinschaft. Es handelt sich um eine ewige Ruhestätte, wo die Gräber, ähnlich wie auf jüdischen Friedhöfen, nicht aufgelassen werden.

125 Jahre Altes Lager Münsingen

Albmaler Museum im Gebäude OF 7 des Alten Lagers in Münsingen, Quelle Netmuseum
Albmaler Museum im Gebäude OF 7 des Alten Lagers in Münsingen, Quelle Netmuseum

Auch bei herbstlichem Wetter ist das Münsinger Hardt, heute Kern des Biosphärengebiets Schwäbisch Alb, einen Ausflug wert. Das Naturschutzgebiet und frühere Militärgelände auf der Mittleren Kuppenalb kann über gut befestigte Wege erwandert werden. Einen Abstecher lohnen die Gebäude des Alten Lagers trotz der aktuellen Schließungen. Beim Gang entlang der im Jugendstil errichteten, in regelmäßigen Abständen angelegten Baracken umweht die Besucher der autoritäre Geist vergangener Zeiten, doch bestimmen 15 Jahre nach dem Auszug der letzten Soldaten die neuen Nutzer das Bild. Dazu gehören neben dem Biosphärenzentrum Gastronomie-, Kreativ-, Bildungs- und Kultureinrichtungen.

Der Truppenübungsplatz auf dem Münsinger Hardt entstand 1895, vor 125 Jahren. Das damals 3.700 Hektar große Gelände wurde aus enteigneten Gebieten der Anrainergemeinden Zainingen, Feldstetten, Ennabeuren, Ingstetten, Magolsheim, Böttingen und Auingen gebildet. Im selben Jahr bezog das XIII. Königlich Württembergische Armeekorps den Standort. Als Unterkünfte dienten zunächst Zelte, in den folgenden Jahren wurden Mannschaftshäuser, eine Generalswohnung, Wirtschaftsgebäude, Ställe, das Casino und eine Badeanstalt erbaut, später sogar ein Postgebäude.

Ein wenig erfreuliches Kapitel folgte mit der Erweiterung des Platzes in der Zeit des Nationalsozialismus. Die Bewohner von Gruorn mussten Dorf und Äcker aufgeben. Das Terrain wurde 1942 zum gemeindefreien Heeresgutsbezirk erklärt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzen die französischen Streitkräfte den Platz, teils in Kooperation mit der Bundeswehr, die das Kommando 1992 nach dem Ende des Kalten Krieges komplett übernahm. Als auch sie 2005 abzog, fürchteten viele einen wirtschaftlichen Niedergang, doch gelang mit der Einrichtung des Biosphärengebiets und des damit verbundenen, umfangreichen und kooperativen Projektplans ein erfolgreicher, ökologisch ausgerichteter Neustart. Der gemeindefreie Gutsbezirk Münsingen blieb bis Ende 2010 bestehen. Danach kamen die bewohnten Gebiete an die Nachbargemeinden, der verbliebene Bereich untersteht unmittelbar dem Landkreis Reutlingen.

Neben dem Biosphärenzentrum und mehreren Museen gehören die vier öffentlich zugänglichen Aussichtstürme zu den Attraktionen des ehemaligen Übungsplatzes. Wegen aktueller Beschränkungen bitte vor Ort nachfragen.

Der „Filder-Express“

Triebwagen 2 im Stuttgarter Straßenbahnmuseum, Quelle Wikipedia gemeinfrei
Triebwagen 2 im Stuttgarter Straßenbahnmuseum, Quelle Wikipedia gemeinfrei

Die Straßenbahn-Verbindung Esslingen – NellingenDenkendorf, abgekürzt END, verkehrte rund 50 Jahre zwischen dem Neckartal und der Filderhochfläche. Eingeweiht wurde sie 1926. Eine regelmäßige Verkehrsverbindung zwischen den damals noch ländlichen Filderorten und dem Neckartal mit seinen Industriebetrieben war dringend nötig, da immer mehr Menschen dort Arbeit fanden. Vor dem Bau der END bewältigten die meisten Beschäftigen den langen Weg, der auch einen beträchtlichen Höhenunterschied umfasste, zu Fuß. Praktischerweise befand sich mit der Maschinenfabrik Esslingen, einem Spezialisten in Sachen Eisenbahnbau, ein geeigneter Lieferant für die Trieb-und Beiwagen gleich vor der Haustür. Die Strecke führte vom Esslinger Bahnhof über den Zollberg bis Nellingen, wo das Straßenbahndepot errichtet wurde. Im Schnitt dauerte eine Fahrt bis zur Endehaltestelle 30 Minuten. Die in weiß und türkisgrün lackierten Wagen waren sehr beliebt und wurden auch gerne für Ausflüge genutzt. Die Nachkriegszeit brachte viele Zuwanderer und den Boom der Wirtschaftswunderjahre. Auch Autoindustrie und Zulieferbetriebe expandierten. War das zunächst mit höheren Fahrgastzahlen verbunden, konnten sich viele bald einen Führerschein und ein eigenes Auto leisten. Die Auslastung ging zurück, Investitionen unterblieben. 1978 wurde die sanierungsbedürftige Bahn durch billigere und flexiblere Buslinien ersetzt.

Bemühungen zur Umwandlung der END in eine Museumsbahn scheiterten ebenso wie der Versuch, die Halle in Nellingen zu erhalten. Diese verfügte über ein Zollingerdach, eine Art Zeltdach, das von seriell gefertigten Gitterteilen getragen wurde. Das in Anlehnung an das Gebäude errichtete Kulturzentrum An der Halle in Nellingen erinnert an das alte Depot. Heute sind die Filderorte mit dem Flughafen ebenso bedeutende wirtschaftliche Zentren wie das Neckartal, was sich in einer immensen Bautätigkeit sowohl im gewerbliche wie auch privaten Bereich niedergeschlagen hat. Zum Vergleich finden Sie die Luftbildansichten von 1968 und 2018 in unserem Kartenmodul.

Badische Wirtschaftsgeschichte

Weberei Ettlingen
Ansicht der Spinnerei und Weberei Ettlingen, um 1850; [Quelle: GLA Karlsruhe J-B, Nr. Ettlingen 5]

Im Jahr 1836 wurde die Spinnerei und Weberei Ettlingen AG gegründet. Baden befand sich noch in der frühindustriellen Phase und die maschinelle Produktion nahm gerade erst ihren Anfang. Zukunftsweisend war dabei der Beitritt Badens zum Zollverein 1836. Das Wasser der Alb bot zudem die zur maschinellen Produktion nötige Antriebskraft. Die finanziellen Grundlagen lieferte das Karlsruher Bankhaus Haber. Geplant waren 2.000 Aktien, zunächst wurden jedoch nur 1.200 Aktien ausgegeben. Die Spinnerei gehörte zu einer der beiden ersten Aktiengesellschaften Badens, zu den 181 Aktionären gehörten auch Großherzogin Stephanie sowie die Markgrafen Wilhelm und Maximilian von Baden. Im Jahr 1838 erfolgte schließlich die Inbetriebnahme der 42 Spinnmaschinen und 186 Webstühle und schon bald entwickelte sich die Textilfabrik zum drittgrößten Arbeitgeber in Baden und lockte Facharbeiter aus Württemberg und der Schweiz nach Ettlingen. Erst kürzlich konnte das Generallandesarchiv Karlsruhe das Hauptbuch der Spinnerei und Weberei Ettlingen erwerben. Mit Vermerken von der Gründung 1836 bis zum Jahr 1839 stellt es eines der frühesten Originale der Ettlinger Textilfabrik dar. 1,2 Millionen Gulden – mit dem Eintrag dieser Einlagesumme beginnt das Hauptbuch der Spinnerei und Weberei Ettlingen AG und befasst sich in der Folge auf 331 Doppelseiten mit den Finanzen der Textilfabrik. Neben dem Aktienkapital sind „Gründungskosten“, „Baukosten“ oder „Vorschüsse an Arbeiter“ eingetragen. Das Hauptbuch enthält auch ein „Maschinen-Conto“ und Notizen zu den benötigten Materialien Baumwolle und Garn. Sozialgeschichtlich interessant sind die Einträge zu den Arbeitslöhnen und zur Krankenkasse für die Fabrikarbeiter, deren Zahl in der Jahrhundertmitte auf 1.800 anwuchs. In der Folgezeit vergrößerte und modernisierte sich die Ettlinger Textilfabrik. Ihre Geschichte ist bedeutend für die wirtschaftliche Entwicklung des Albtals und darüber hinaus für die frühindustrielle Wirtschaftsgeschichte Badens. Weitere Informationen und einen Auszug aus dem Hauptbuch finden Sie auf der Seite des Landesarchivs Baden-Württemberg. (JH)

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